Wandervogel
Wer wir sind - Zur Geschichte des Nerother Bundes
In der Silvesternacht 1919/20 konstituierte sich in der Nähe des Eifeldörfchens Neroth ein enger Freundeskreis um Robert Oelbermann, unter dessen Führung der Nerother Bund entstand. Der Nerother Bund war und ist ein reiner Jungenbund. Schon während der Weimarer Zeit trat dieser Bund durch besondere Leistungen aus den vielen Jugendorganisationen hervor. Gruppen der Nerother waren die ersten, die unter den damaligen schwierigen Verhältnissen bereits große Auslandsfahrten und einige Weltfahrten unternahmen. Besonders bedeutsam ist dabei auch die Arbeit auf musischem Gebiet. Von den zahlreichen Auslandsfahrten brachten die Gruppen unzählige Lieder mit nach Hause. Zudem entstanden viele neue Lieder in den Nerother Gruppen und es wurde eine markante Form des Gruppensingens entwickelt. Die Burgruine Waldeck im Hunsrück nahe des Städtchens Kastellaun wurde als künftiges Bundeszentrum auserkoren. Schon 1921 gelang es, hier ein Grundstück zu erwerben. Die ungestörte Entwicklung wurde mit der Machtergreifung Hitlers unterbrochen. Der Bund wurde verboten, wie alle anderen Jugendbünde.
In den 1950er Jahren entstanden neue Nerother Gemeinschaften. Die Entwicklung des Bundes schritt zügig voran. Schon bald nach der Neugründung hatte er Größe und Struktur des alten Bundes vor 1933 wieder erreicht und ihn an der Mitgliederzahl sogar weit übertroffen.
Während es seit den 1960er Jahren in den meisten anderen Bünden innere Krisen zu überwinden galt, zeigte sich der Nerother Bund gegenüber diesen zeitbedingten Strömungen immun. Die starke Verwurzelung in seiner Tradition und der Stolz auf die darauf zurückführende, allein durch die NS-Zeit unterbrochene Kontinuität der Bundesgeschichte mögen beim "Überleben" eine große Rolle gespielt haben, sicher aber auch die langjährige Führung Karl Oelbermanns, der den Bund in der Nachfolge seines im KZ Dachau umgekommenen Zwillingsbruders Robert wieder auferstehen ließ und weiterführte. Sein Tod riss 1974 eine große Lücke.
Wir, der Orden der Goten, spalteten uns 1995 vom Nerother Bund ab, um die Tradition und Idee des alten Bundes unter Robert und Karl Oelbermann wieder aufzunehmen. Unser Wandervogel - Bund für Jugendfahrten e.V. ist ein Zusammenschluss verschiedener Gruppen in Deutschland und Österreich, die mit uns zusammen diese Wandervogelidee wieder aufleben lassen.
"Die Nerotheridee ist aktuell wie nie zuvor. Sie garantiert den Gruppen Freiheit und Autonomie. Das ermöglicht Reichtum der Entwicklung, Raum für Verschiedenheit, Entfaltung schöpferischer Gestaltungskraft und ein ungebundenes Fahrtenleben. Es gilt, durch die Jugend ein Reich für die Jugend zu bauen."
Martin Zingsheim, ehem. Ordenskanzler

